Agroforst Projekt für den Berliner Barnim im Auftrag des Senats des Landes Berlin und der Berliner Forsten
Der Berliner Barnim ist ein Landschaftsraum an der nördlichen Landesgrenze Berlins, der bis heute landwirtschaftlich geprägt geblieben ist. Er stellt ein Bindeglied zwischen der urbanen Metropole Berlin und dem brandenburgischen Umland dar. Im Berliner Landschaftsprogramm von 1994 wurde dieses Gebiet als 4. Naherholungsgebiet für Berlin festgelegt und seither kontinuierlich entwickelt. Im Vordergrund steht dabei, die landwirtschaftliche Prägung des Landschaftsraumes zu erhalten und im Sinne einer offenen bis halboffenen Landschaft weiterzuentwickeln. Die Landwirtschaft spielt daher für die Schaffung des Naherholungsgebietes Berliner Barnim eine wichtige Rolle, denn ihre Bewirtschaftungsweise ist ausschlaggebend für das Gelingen der Verbindung von Landwirtschaft und Erholung. Einen Landschaftsraum herzustellen, der für die erholungssuchenden Berlinerinnen und Berliner hinreichend Attraktivität verspricht und gleichzeitig dabei eine Landwirtschaft zu betreiben, die in der Lage ist auf Erholungsbedürfnisse einzugehen, ohne ihre landwirtschaftliche Rentabilität aufzugeben, dies ist die besondere Herausforderung und Chance für den Berliner Barnim. Dieser Aufgabe gerecht zu werden ist es notwendig die Naherholungsnutzung mit einer umweltgerechten und wirtschaftlich tragfähigen landwirtschaftlichen Nutzung abzustimmen, denn das Bewusstsein für eine umweltgerechte Landnutzung wächst stetig vor allem in der städtischen Bevölkerung. Diesem in der Bevölkerung wachsenden Bedürfnis nach einer naturnahen Landwirtschaft, das als Aufgabe letztlich an die Landwirte in ihrer Funktion als Produzenten und Landschaftspfleger herangetragen wird, können die konventionellen Agrarsysteme kaum standhalten.
Vor diesem Hintergrund und vor dem erklärten Ziel des Berliner Forsten im Berliner Barnim keine größeren Aufforstungen mehr durchzuführen, sondern die agrarische Struktur der Barnimer Kulturlandschaft fort zu entwickeln, wurde diese Studie in Auftrag gegeben. Sie beschäftigt sich explizit mit den Möglichkeiten der Implementierung der Landnutzungsalternative Agroforstwirtschaft auf dem Berliner Barnim.
Dabei werden in der vorliegenden Arbeit zwei Ziele verfolgt, welche die Studie in zwei Teile gliedern. Der Teil A liefert fundiertes Fachwissen zu Agroforstsystemen, gibt einen Überblick über den Stand der Forschung in Europa und beschreibt die Grundzüge moderner Agroforstsysteme sowie Umsetzungsstrategien bezogen auf die landwirtschaftlichen und klimatischen Bedingungen in diesem konkreten Gebiet. Als „Handbuch“ gibt dieser Teil Anleitungen zur Begründung von Agroforstsystemen im Berliner Barnim und zusätzlich Hintergrundinformationen zu den Potenzialen der Agroforstsysteme. Er bietet damit dem Berliner Forsten, aber auch anderen interessierten Verwaltungsbereichen, wie dem Bezirksamt Pankow eine Argumentationshilfe an.
Der Teil B dieser Studie befasst sich mit konkreten Orten auf dem Berliner Barnim und stellt Entwurfspeispiele für einen möglichen bewussten naturnahen und kulturlandschaftsspezifischen Umgang mit landwirtschaftlichen Flächen vor. Unter anderem wurden im zweiten Teil der Arbeit konkrete Entwürfe für ein Agroforstsystem als Pilotanlage für Berlin erarbeitet, die im Wesentlichen umsetzungsreif sind. Damit kommt diese Studie dem Wunsch der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nach, ein konkretes agroforstliches Entwurfsbeispiel für den Berliner Barnim zu entwickeln.
Die Umsetzung dieses agroforstlichen Projektes lässt nicht nur einen erheblichen Qualitätsgewinn für das Naherholungsgebiet Berliner Barnim erwarten, sondern hätte auch eine bundespolitische Bedeutung vor dem Hintergrund der neuen EU-Agrarpolitik, die sich in ihrer Richtlinie ELER 2007-2013 für eine agroforstliche Förderung ausgesprochen hat.
Das Land Berlin könnte mit der Begründung einer Agroforstanlage als urbane Metropole eine Vorreiterrolle in Sachen nachhaltiger landwirtschaftlicher Landnutzungssysteme übernehmen.
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