Welche soziokulturellen Potentiale haben Agroforstsysteme? In der Öffentlichkeit werden die durch die Landwirtschaft verursachten Umweltprobleme und die nicht nachhaltigen Produktionsweisen zunehmend wahrgenommen. Äußerungen von Politikern in der Presse, welche die Subventionen an die Landwirtschaft in Frage stellen (z.B. Fasel, zit. in Dayer, 1995) zeigen, wie stark das "Image" der Bauern gelitten hat. Da die Landwirtschaft stark von Fördermitteln der öffentlichen Hand abhängig ist, wird sie Forderungen in dieser Richtung stärker entgegenkommen müssen. Aufgrund ihrer oben angeführten ökologischen Eigenschaften stellen agroforstliche Anbausysteme dazu eine Möglichkeit dar. "Agroforstwirtschaft offeriert etwas, das natürlichen Ökosystemen näher scheint als konventionelle Land- oder Forstwirtschaft, das potentiell dauerhaft ist und das eine Vielfalt von Produkten, nachhaltige Produktion und Schutz der Umwelt anbietet, möglichst mit nur wenig Hilfsmitteln oder in Kombination mit biologischer Landwirtschaft" (übersetzt aus Carruthers, 1990). Agroforstwirtschaft kommt damit dem zunehmend verbreiteten Anspruch nach ganzheitlicher Weltsicht und integrierten Lösungsansätzen entgegen. Zunehmend wird auch die Ästhetik der Agrarflur thematisiert. Bäumen kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Da sie einer rationellen, mechanischen Bewirtschaftung oft buchstäblich im Weg stehen, wurden sie in den vergangenen Jahren verdrängt. Nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ästhetischen Gründen wird zunehmend zumindest der Erhalt des Status Quo gefordert (z.B. Weller et al., 1986; Lucke et al., 1992). Einzelne Autoren regen die Bildung von "romantisch beweideten Parklandschaften" an (Schreiber, 1994). Agroforstliche Systeme sind nicht per se ästhetisch ansprechend, so wie sie auch nicht automatisch ökologisch oder ökonomisch vorteilhaft sind. Aber sie verfügen durch die Integration von Bäumen über ein entsprechendes Potential, das durch geeignetes Design ausgeschöpft werden kann. In diesem Zusammenhang muss auch die kulturelle Bedeutung von Bäumen erwähnt werden. Sie spielen seit jeher eine Rolle im Brauchtum und in der Mythologie der Menschen (Haerkotter u. Haerkotter, 1989). Markante Einzelbäume prägen Landschaften und sind wichtig für Landschaftserlebnis und Heimatgefühl (Schaub-Perrenoud, 1989; Abt, 1990). Auch ganze Anbausysteme können identitätsstiftend sein.
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