Diskussion

Die Forschungen am Agroforstsystem, die im Rahmen von SAFE durchgeführt worden sind, liefern wichtige Bausteine zum besseren Verständnis der Funktionsweise von mischkulturellen Anbausystemen. Sie zeigen aber auch die Komplexität solcher Systeme auf. Die Agroforstwirtschaft kann eine ökologische Landnutzungsalternative darstellen, wenn bei der Auswahl und Zusammenstellung der Komponenten (Baumart und Feldfrucht) sorgfältig auf die entsprechenden regionalen klimatischen Bedingungen, die regionalen Bodenbeschaffenheiten und die bestehenden ökologischen Problemfelder eingegangen wird.

Die Bewertung der Effekte des Systems ist relativ und hängt davon ab, was mit dem Einsatz der Agroforstwirtschaft erreicht werden soll. So kann z.B. eine Strahlungsreduktion im Baumschatten eher positive oder negative Effekte haben. Wilson führt an, dass ein geringerer PAR (Photosynthetically Aktive Radiation) ein kühleres Mikroklima erzeugt, welches infolge der damit einhergehenden effektiveren Mikrobenaktivität in der obersten Bodenschicht einen positiven Einfluss auf die Mineralisierung von Bodennitraten haben kann (Wilson, 1990, siehe auch Pons et.al., 1993). Darüber hinaus wurde festgestellt, dass bei einem Agroforstsystem weniger Unkrautbiomasse gefunden wurde als im monokulturellen Anbauvergleich, woraus die Autoren Roger und Losefa den Schluss ziehen, dass der Baumschatten eine signifikante Rolle bei der Unkrautkontrolle einnehmen kann (Roger and Losefa, 1993). Dieser Effekt könnte gerade in der ökologischen Landwirtschaft eine wichtige Rolle spielen.

Weitere Untersuchungen in Bezug auf die Bodenerosion ergaben, dass je Höher die Erosion ist, desto wichtiger wird die Agroforstwirtschaft. Es konnten bei Versuchen in Südfrankreich und Spanien bis zu 75 % Reduktion der Bodenerosion durch Agroforstsysteme gemessen werden (Palma, 2004). Da auch nachgewiesen werden konnte, dass die Erosion auf minderwertigen Böden deutlich höher ist, als auf hochwertigen Böden, wird ein Einsatz von Agroforstsystemen zur Erosionsminderung wohl stärker für Gebiete mit minderwertigen Böden in Frage kommen.

Mit dem Einsatz der Agroforstsysteme in Regionen mit minderwertigen Böden korrespondieren auch die beschriebenen Effekte im Wurzelbereich:

  • die Wirkung der Bäume als „Wasser- und Nährstoffpumpen“
  • die erhöhte Biomassenproduktion sowohl unterirdisch, als auch oberirdisch
  • die damit verbundene Bodenlockerung durch die Feinwurzelstrukturen in tieferen Schichten unter 1,6 m.

Die Untersuchungen in den einzelnen Fachgebieten von SAFE zeigen, dass mit der Agroforstwirtschaft ein Beitrag zur dauerhaften Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit geleistet werden kann. Die Nutzung von Nährstoffen, aus Bodenschichten, die für einjährige Feldfrüchte unzugänglich sind, vermindert die Nährstoffauswaschung. Durch die gleichmäßigere Wasserverteilung im Boden können Wasserstauzonen und Trockenzonen verhindert werden. Die erhöhte Produktion von Biomasse ermöglicht einen besseren Stoffkreislauf und die Reduktion von CO2, sowohl durch die Aufnahme der Pflanzen, als auch durch die Nutzung der Biomasse für die Energiegewinnung.

Das vom SAFE – Konsortium entwickelte Modelling – Programm HiSafe wird ein wichtiges Instrument sein, um bei der ökologischen Planung von Agroforstsystemen alle signifikanten Parameter der regionalen ökologischen Bedingungen einzubeziehen und somit die ökologischen Effekte des Landnutzungssystems ortspezifisch zu optimieren.

Als Landnutzungsform wird von der Agroforstwirtschaft auch eine ökonomische Tragfähigkeit erwartet. Die ökonomische Leistungsfähigkeit eines Agroforstsystems lässt sich gegenüber einem monokulturellen Anbausystem nur dann positiv bewerten, wenn die ökologischen Leistungen des Systems in die Kalkulation mit einbezogen werden. Daher, die dauerhafte Aufwertung des Bodens, die Verbesserung des Nährstoff- und Wasserkreislaufs, der Erosionsschutz tragen zu einem stabileren System gegen episodische Klimaschwankungen bei und damit zu einer verlässlicheren Ertragskontinuität und zu einer nachhaltigen Ertragssteigerung. Prinzipiell müssen in die ökonomischen Planungen die drei ausschlaggebenden Komponenten der einjährigen Frucht, des Kapitalaufbaus durch Nutzholz und die Umweltleistung einfließen.

Der Aspekt Holznutzung ist besonders mit Blick auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise wichtig, wenn es darum geht weniger Holzimporte und eine stärkere Nutzung heimischer Werthölzer zu forcieren. In naher Zukunft dürfte die Nachfrage für heimische Werthölzer steigen. Die Wertholzproduktion kann damit zu einem starken generationsübergreifenden Standbein für eine nachhaltige ökonomische Sicherung eines Landwirtschaftlichen Betriebs werden.


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