Das europäische Forschungsprogramm SAFE
SAFE ist ein Forschungskonsortium bestehend aus mehr als 17 Institutionen, das sich im Jahr 2000 zusammengefunden hat, um die einzelnen Aufgaben in der europäischen Agroforstforschung zu bündeln und zu intensivieren. Seit 2001 wurde das Projekt SAFE aus Mitteln des 5. Rahmenprogramms für Forschung und Entwicklung der EU gefördert. Die Laufzeit des Projektes endete am 15. Januar 2005.
Das Forschungskonsortium SAFE beschränkte sich von Anfang an auf silvoarable Agroforstsysteme. Silvopastorale Systeme konnten in diesem Projekt nicht behandelt werden. Dabei wurde im Sinne von SAFE die Agroforstwirtschaft als eine Mischkultur verstanden, bei der eine landwirtschaftliche Fläche mit Baumreihen im Wechsel mit einjährigen Ackerfrüchten bebaut wird. Im Zentrum des Forschungsinteresses stand die Kopplung von Feldfrüchten mit forstwirtschaftlich genutzten Wertgehölzen, als Abgrenzung zu Mischkulturen mit Heckenstrukturen und Feldfrüchten. Im Programm SAFE sollte geprüft werden, ob dieses Agrarproduktionssystem unter den klimatischen Bedingungen in Europa ökologisch und ökonomisch profitabel betrieben werden kann und welche politischen Rahmenbedingungen dafür notwendig wären.
Das Forschungsprojekt sah eine wesentliche Aufgabe in der Entwicklung eines Computer gestützten Modellings mit dessen Hilfe die ökologischen und ökonomischen Situationen eines Agroforstsystems vorhergesagt werden können. SAFE verfolgte dabei zwei Hauptziele: i)die derzeit bestehende Unsicherheit bezüglich der Wirkungen silvoarabler Systeme zu reduzieren und ii) aus den daraus gewonnenen Modellen individuelle Ergebnisse für die bäuerlichen Betriebe und Regionen zu extrapolieren (SAFE, 2000). Um dies zu erreichen wurden Daten aus unterschiedlichen traditionellen und modernen silvoarablen Systemen aus Europa zusammengeführt und verglichen. Auf der Grundlage ähnlicher Modelling – Programme und mit Hilfe der erhobenen Daten entstand das Programm HiSafe. Mithilfe verschiedener Spezifikationen des Programms (z.B YieldSafe) können erstmals Ertragsspezifische, Umweltspezifische und Managementspezifische Szenarien für die Erstellung von silvoarablen Agrarflächen ermittelt und miteinander verknüpft werden. Diese Entwicklung ist einer der bedeutendsten Meilensteine in der europäischen Forschung zu silvoarablen Systemen. Die Möglichkeit, auf der Grundlage von regionalen Klimadaten und unter Einbeziehung der komplexen ökologischen Zusammenhänge (Boden, Wasser, Luft) in einer Mischkultur, ertragsspezifische Vorhersagen treffen zu können, gibt den landwirtschaftlichen Betrieb als Endnutzer ein hohes Maß an Planungssicherheit über Jahrzehnte hinweg. Außerdem ermöglicht das in dem Projekt SAFE entwickelte Modelling eine Agroforstanlage regional- und betriebsbezogen so zu gestalten, dass ein größtmöglicher ökologischer und ökonomischer Ertrag für die Umwelt und den Betrieb gewährleistet werden kann.
Dieser innovative Schritt in der Beurteilung für Mischkulturen, gemeinsam mit den zahlreichen positiven Umwelteffekten, die SAFE bei silvoarablen Systemen auch für die in Europa herrschenden gemäßigten klimatischen Bedingungen belegen konnte, führten zu einem weiteren wichtigen Ziel dieses Forschungsprogramms: der Aufnahme der Agroforstwirtschaft in die Förderempfehlungen der GAP. Noch vor dem Abschlußbericht des Projektes wurde bereits im Sommer 2004 die Agroforstwirtschaft im § 41 der endgültigen Fassung der „Verordnung des Rates über die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)“, (KOM, 2004) verankert. Damit wird eine Umsetzung von silvoarablen Systemen in Europa ab 2007 rechtlich und wirtschaftlich möglich.
Eine agroforstliche Landnutzung, die bei guter Planung einen LER von 1,3 herstellen kann, ist, so zeigten die Untersuchungen von SAFE, dennoch gegen eine subventionierte monokulturelle Nutzung nicht konkurrenzfähig. Aus diesem Grunde ist die Entscheidung der EU für die Agroforstwirtschaft von größter Bedeutung für die Etablierung weiterer vielschichtiger Landnutzungskulturen. Die in Aussicht gestellte Unterstützung der Landwirte durch Förderung des Aufbaus und der Pflege agroforstlicher Systeme bedeutet auch eine Anerkennung der ökologischen Leistungen, zu der die Agroforstwirtschaft in der Lage ist.
Ausgewählte Forschungsergebnisse von SAFE
Aus Untersuchungen in subtropischen Bereichen Afrikas, Amerikas und Asiens sind verschiedene Effekte bekannt, die sich aus den Wechselwirkungen agroforstlicher Mischkulturen ergeben. Agroforstsysteme üben demnach einen wesentlichen Einfluss auf die Bodenerosion, die Biodiversität, sowie die Wasser- und Nährstoffverteilung aus. Die Übertragbarkeit dieser Erkenntnisse auf die gemäßigten Klimazonen Europas und die entsprechenden heimischen Pflanzen sollten in dem Forschungsprogramm SAFE untersucht werden.
- Biomassenproduktion im Agroforstsystem
- Lichtevaluation, Wurzelinteraktion und Ernteertrag im Agroforstsystem
- Diskussion


